Neu haben wir eine Lauschangriff-Demo mit einer selbstgebauten GSM-Basisstation aufgebaut, um damit zu zeigen, wie einfach es ist sich als Mobilfunkprovider zu betätigen und die Gespräche und SMS mitzuhören, welche über diese Basisstation laufen.
Dass sich jedermann als Mobilfunkprovider betätigen kann, ist möglich aufgrund einer Sicherheitslücke im GSM-Standard von 1989. Als dieser Standard festgelegt wurde, ging man davon aus, (i) dass es in jedem Land genau eine staatliche Telecom-Gesellschaft als Mobilfunkprovider gibt und (ii) dass sich nicht jedermann für ein paar Franken seine eigene Basisstation bauen kann. Daher wurde damals kein Identitätsnachweis (Authentisierung) der Basisstation gegenüber dem Handy verlangt. Sobald sich also eine Basisstation als eine Station von Providern wie Swisscom, Sunrise oder Orange ausgibt, verbindet sich das Handy zu dieser Basisstation ohne deren Zugehörigkeit zum Provider überprüfen zu können.
Diese Eigenschaft des Standards von 1989 findet bis heute Juni 2011 in allen Schweizer Mobilfunknetzen ihre Anwendung. Dies obwohl es seit 2006 eine Erweiterung des GSM-Standards gibt, die das Erzwingen eines Identitätsnachweis des Netzes gegenüber dem Handy ermöglicht. Diese Erweiterung des Standards ist soweit wir wissen auf allen neueren Handys implementiert. Die Regulationsbehörde, welche den Mobilfunkbetrieb in der Schweiz überwacht, schreibt den Mobilfunk-Providern die Verwendung dieser Erweiterung aber nicht vor. Es liegt daher im Ermessen der Provider sich bezüglich Abhörsicherheit von den Mitbewerbern abzuheben und diesen Wettbewerbsvorteil ihren Kunden zu kommunizieren. Die dazu notwendigen Umstellungen sind allerdings sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden.
Bis die Provider umstellen, kann sich jeder, der eine GSM-Basisstation bauen kann, als Mobilfunkprovider betätigen und Gespräche und SMS mithören.
Um zu demonstrieren wie einfach ein Lauschangriff machbar ist, haben wir mit einem Software-defined Radio und einem Laptop eine GSM-Basistationstation gebaut. Dazu haben wir frei verfügbare Software verwendet. Die Materialkosten belaufen sich auf weniger als 2‘000 CHF.
![]() |
Unsere selbstgebaute GSM-Basisstation mit der Handygespräche und SMS mitgehört werden können |
Für die Vorführung der Lauschangriff-Demo mit dieser Basisstation wird eine Testlizenz für einen Funkversuch vom Bundesamt für Telekommunikation (BAKOM) benötigt. In einer solchen Lizenz werden Mobilfunkfrequenzen zugeteilt, welche von den Providern Swisscom, Sunrise und Orange nicht verwendet werden. Daher ist es unter Einhaltung der Lizenzbedingungen nicht möglich zu demonstrieren, wie Handys nahtlos aus den Mobilfunknetzen dieser Betreiber übernommen werden, ohne dass der Handybenutzer dies merkt. Was wir zeigen können ist wie von einem Testhandy ausgehende Telefongespräche und SMS auf eines unser Testphones mitgehört werden, nachdem auf dem Testhandy manuell der Netzanbieter auf das dedizierte Netz unserer Basisstation gestellt wurde.
Falls Sie über ein gewisses Budget verfügen und sich für Krypto-Phones interessieren, welche nicht einfach abgehört werden können, helfen wir Ihnen gerne weiter.
Darüber hinaus empfehlen wir Interessierten diesen GSM-Security Workshop.
Der Beitrag zu dieser Demo in der Sendung „Einstein“ des Schweizer Fernsehens SF-TV wird voraussichtlich am Donnerstag, 9. Juni 2011 um 21:00 gesendet.



